Erbschaft- und Schenkungsteuer — Grundlagen
Steuerpflicht, Steuerklassen, Freibeträge, Bewertung und Tarif nach ErbStG.
Die Erbschaft- und Schenkungsteuer erfasst den unentgeltlichen Vermögensübergang von Todes wegen (§ 3 ErbStG) bzw. unter Lebenden (§ 7 ErbStG).
- Unbeschränkt steuerpflichtig (§ 2 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG), wenn Erblasser/Schenker oder Erwerber zum Zeitpunkt der Steuerentstehung Inländer ist (Wohnsitz/gewöhnlicher Aufenthalt im Inland, § 8/§ 9 AO).
- Beschränkt steuerpflichtig: nur Inlandsvermögen.
- Steuer entsteht mit dem Tod des Erblassers bzw. Ausführung der Schenkung (§ 9 ErbStG). Dieser Tag ist Bewertungsstichtag (§ 11 ErbStG).
Steuerklassen (§ 15 ErbStG):
- StKl I: Ehegatten, Lebenspartner, Kinder, Stiefkinder, Enkel, bei Erbfall auch Eltern/Großeltern.
- StKl II: Geschwister, Nichten/Neffen, Stiefeltern, Schwiegerkinder, geschiedene Ehegatten.
- StKl III: alle übrigen Erwerber.
Persönliche Freibeträge (§ 16 ErbStG):
- Ehegatte/Lebenspartner: 500.000 €.
- Kinder/Stiefkinder: 400.000 €.
- Enkel: 200.000 € (400.000 €, wenn Elternteil verstorben).
- Eltern bei Erbfall: 100.000 €.
- StKl II/III: 20.000 €.
Zusätzlich: Versorgungsfreibetrag (§ 17 ErbStG), Hausrat-/Pkw-Freibetrag (§ 13 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG: 41.000 € Hausrat / 12.000 € andere bewegliche Gegenstände in StKl I).
Steuertarif (§ 19 ErbStG): progressiv nach Erwerb und StKl, z. B. StKl I bis 600.000 € = 15 %, bis 6 Mio. € = 19 %, bis 13 Mio. € = 23 %.
Bewertung (BewG):
- Anteile an nicht notierten Kapitalgesellschaften: gemeiner Wert; vorrangig IDW-S1/vereinfachtes Ertragswertverfahren; Substanzwert als Mindestwert (§ 11 Abs. 2 BewG). Gesonderte Feststellung nach § 151 Abs. 1 Nr. 3 BewG.
- Grundbesitz: gesonderte Feststellung nach § 151 Abs. 1 Nr. 1 BewG; je nach Grundstücksart Vergleichs-, Ertrags- oder Sachwertverfahren (§§ 182 ff. BewG).
- Niedrigerer gemeiner Wert kann nach § 198 BewG durch Gutachten nachgewiesen werden.
Begünstigungen:
- §§ 13a/13b ErbStG: Begünstigung von Betriebsvermögen, qualifizierten Kapitalgesellschaftsanteilen (Mindestbeteiligung > 25 %) und land-/forstwirtschaftlichem Vermögen; Verschonungsabschlag 85 % oder 100 %, Lohnsummenregelung, Behaltensfrist.
- § 13d ErbStG: 10 %-Abschlag für zu Wohnzwecken vermietete Grundstücke.
- § 13 Abs. 1 Nr. 4b/c ErbStG: Familienheim für Ehegatten/Kinder.
Nachlassverbindlichkeiten (§ 10 Abs. 5 ErbStG):
- Erblasserschulden (z. B. Hypotheken).
- Erbfallschulden (Pflichtteile, Vermächtnisse, Beerdigungs- und Nachlassregelungskosten; Pauschbetrag 10.300 €).
Berechnungsschema: Wert des Vermögensanfalls (Aktiva, jeweils gesondert bewertet) ./. sachliche Befreiungen (§ 13 ErbStG) ./. Nachlassverbindlichkeiten (§ 10 Abs. 5 ErbStG) = Bereicherung (§ 10 Abs. 1 ErbStG) ./. persönlicher Freibetrag (§ 16 ErbStG) ./. Versorgungsfreibetrag (§ 17 ErbStG) = steuerpflichtiger Erwerb (abgerundet auf volle 100 €, § 10 Abs. 1 S. 6 ErbStG) × Steuersatz § 19 ErbStG = festzusetzende Erbschaftsteuer
Praxisbeispiel (Auszug Musterlösung 2024): Enkel erbt nach verstorbenem Vater Vermögen mit GmbH-Anteil 22 %, gemischt genutztem Grundstück, EFH, Hausrat, Pkw, Bankguthaben. Bereicherung 3.421.081 € ./. Freibetrag 400.000 € = stpfl. Erwerb 3.021.000 € × 19 % = 573.990 € ErbSt.
Vorerwerbe (§ 14 ErbStG): Erwerbe innerhalb von 10 Jahren von derselben Person werden zusammengerechnet.