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Jahresabschluss

Jahresabschlussanalyse: GuV, EBIT, Kennzahlen und KSt-Korrekturen

Prüfungswissen zu GuV nach § 275 Abs. 2 HGB, ordentlichem Betriebsergebnis, Rentabilitätskennzahlen, Lagerkennzahlen, Leverage-Effekt sowie vGA/vE in der Körperschaftsteuer.

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► 1. GuV nach § 275 Abs. 2 HGB – Gesamtkostenverfahren

Bei der Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Gesamtkostenverfahren werden Erträge und Aufwendungen nach dem Schema des § 275 Abs. 2 HGB geordnet.

Typisches Schema:

1. Umsatzerlöse 2. +/- Bestandsveränderungen 3. andere aktivierte Eigenleistungen 4. sonstige betriebliche Erträge 5. Materialaufwand 6. Personalaufwand 7. Abschreibungen 8. sonstige betriebliche Aufwendungen einschließlich sonstiger Steuern 9./10. Betriebsergebnis 11. Finanzerträge 12. Finanzaufwendungen 13. Finanzergebnis 14. Steuern vom Einkommen und Ertrag 15. Jahresüberschuss / Jahresfehlbetrag

Wichtig: Sonstige Steuern werden regelmäßig den betrieblichen Aufwendungen zugeordnet.

Beispiel: Sonstige betriebliche Aufwendungen: 162.840 + sonstige Steuern: 680 = sonstige betriebliche Aufwendungen einschließlich sonstiger Steuern: 163.520

Betriebsergebnis: Gesamterträge des Betriebs minus Gesamtaufwendungen des Betriebs.

Beispiel: Umsatzerlöse 678.130 + Bestandsveränderungen 16.070 + sonstige betriebliche Erträge 51.750 = Gesamterträge 745.950

Materialaufwand 128.580 + Personalaufwand 240.370 + Abschreibungen 109.090 + sonstige betriebliche Aufwendungen inkl. sonstiger Steuern 163.520 = Gesamtaufwand 641.560

Betriebsergebnis: 745.950 - 641.560 = 104.390

Finanzergebnis: Zinserträge 2.500

  • Zinsaufwendungen 23.500

= -21.000

Ergebnis vor Steuern: 104.390 - 21.000 = 83.390

Nach Steuern vom Einkommen und Ertrag: 83.390 - 4.270 = 79.120 Jahresüberschuss

► 2. Ordentliches Betriebsergebnis / EBIT

Das ordentliche Betriebsergebnis zeigt den Erfolg des eigentlichen Kerngeschäfts.

Nicht zum Kerngeschäft gehören neutrale Erträge und neutrale Aufwendungen.

Betriebliche Posten:

  • Umsatzerlöse
  • Bestandsveränderungen
  • Materialaufwand
  • Personalaufwand
  • Abschreibungen
  • sonstige betriebliche Aufwendungen i. e. S.
  • sonstige Steuern

Neutrale Erträge:

  • Erträge aus Auflösung von Rückstellungen
  • Mieterträge, wenn sie nicht zum Kerngeschäft gehören
  • Zinserträge

Neutrale Aufwendungen:

  • periodenfremde Aufwendungen
  • Aufwendungen für Fremdvermietung
  • Einzelwertberichtigungen, wenn in der Aufgabe neutral vorgegeben
  • außerordentliche Aufwendungen
  • Zinsaufwendungen

Beispiel neutrale Erträge: Auflösung Rückstellungen 11.260 + Mieterträge 27.040 = neutrale Erträge 38.300

Beispiel neutrale Aufwendungen: periodenfremde Aufwendungen 6.250 + Fremdvermietung 420 + Einzelwertberichtigung 8.190 + außerordentliche Aufwendungen 23.340 + Zinsen 23.500 = neutrale Aufwendungen 61.700

Ordentliches Betriebsergebnis: Betriebliche Erträge minus betriebliche Aufwendungen.

Merksatz: Das ordentliche Betriebsergebnis zeigt die wirtschaftliche Leistung aus dem Kerngeschäft. Neutrale, außerordentliche und periodenfremde Vorgänge sowie das Zinsergebnis werden herausgerechnet.

► 3. Kapitalstruktur- und Rentabilitätskennzahlen

Gegeben: Durchschnittliches Eigenkapital: 1.400.000 Durchschnittliches Gesamtkapital: 3.625.000 Zinsaufwendungen: 157.500 Sonstige Aufwendungen: 3.000.000 Erträge: 3.350.000

Fremdkapital: Gesamtkapital - Eigenkapital 3.625.000 - 1.400.000 = 2.225.000

Jahresüberschuss: Erträge - sonstige Aufwendungen - Zinsaufwendungen 3.350.000 - 3.000.000 - 157.500 = 192.500

Eigenkapitalquote: Eigenkapital / Gesamtkapital x 100 1.400.000 / 3.625.000 x 100 = 38,62 %

Eigenkapitalrentabilität: Jahresüberschuss / Eigenkapital x 100 192.500 / 1.400.000 x 100 = 13,75 %

Durchschnittlicher Fremdkapitalzinssatz: Zinsaufwendungen / Fremdkapital x 100 157.500 / 2.225.000 x 100 = 7,08 %

Gesamtkapitalrentabilität: (Jahresüberschuss + Fremdkapitalzinsen) / Gesamtkapital x 100 (192.500 + 157.500) / 3.625.000 x 100 = 9,66 %

► 4. Investition und Leverage-Effekt

Investition: Anschaffungskosten 1.125.000 80 % Fremdkapital = 900.000 20 % Eigenkapital = 225.000

Neue Kapitalwerte: Eigenkapital: 1.400.000 + 225.000 = 1.625.000 Fremdkapital: 2.225.000 + 900.000 = 3.125.000 Gesamtkapital: 3.625.000 + 1.125.000 = 4.750.000

Zusätzlicher Ertrag vor FK-Zinsen: 1.125.000 x 15 % = 168.750

Zusätzliche Zinsen: 900.000 x 9 % = 81.000

Zusätzlicher Jahresüberschuss: 168.750 - 81.000 = 87.750

Neuer Jahresüberschuss: 192.500 + 87.750 = 280.250

Neue Zinsaufwendungen: 157.500 + 81.000 = 238.500

Neue Eigenkapitalquote: 1.625.000 / 4.750.000 x 100 = 34,21 %

Neue Eigenkapitalrentabilität: 280.250 / 1.625.000 x 100 = 17,25 %

Neuer durchschnittlicher FK-Zinssatz: 238.500 / 3.125.000 x 100 = 7,63 %

Neue Gesamtkapitalrentabilität: (280.250 + 238.500) / 4.750.000 x 100 = 10,92 %

Leverage-Effekt: Ein positiver Leverage-Effekt liegt vor, wenn die Gesamtkapitalrendite bzw. Investitionsrendite höher ist als der Fremdkapitalzinssatz.

Im Beispiel: Investitionsrendite 15 % FK-Zinssatz 9 %

Die Eigenkapitalrentabilität steigt von 13,75 % auf 17,25 %. Gleichzeitig sinkt die Eigenkapitalquote von 38,62 % auf 34,21 %. Das bedeutet: höhere Rendite, aber auch höhere Verschuldung.

► 5. Vorratskennzahlen

Umschlagshäufigkeit der Vorräte: Materialaufwand / durchschnittlicher Vorratsbestand

Beispiel: Materialaufwand 600.000 durchschnittlicher Vorratsbestand 30.000

600.000 / 30.000 = 20

Bedeutung: Der durchschnittliche Vorratsbestand wird 20-mal im Jahr umgeschlagen.

Durchschnittliche Lagerdauer: 360 / Umschlagshäufigkeit

360 / 20 = 18 Tage

Bedeutung: Die Waren liegen durchschnittlich 18 Tage im Lager.

Merksatz: Hohe Umschlagshäufigkeit = kurze Lagerdauer. Niedrige Umschlagshäufigkeit = lange Lagerdauer.

► 6. Forderungen und Verbindlichkeiten

Umschlagshäufigkeit Forderungen: Umsatzerlöse / durchschnittlicher Forderungsbestand

Durchschnittliches Kundenziel / DSO: 360 / Umschlagshäufigkeit Forderungen

Umschlagshäufigkeit Verbindlichkeiten: Materialaufwand / durchschnittlicher Verbindlichkeitenbestand

Durchschnittliches Lieferantenziel / DPO: 360 / Umschlagshäufigkeit Verbindlichkeiten

Wichtig: Wenn Forderungen und Verbindlichkeiten brutto angegeben sind und die Umsatzerlöse oder Materialaufwendungen netto sind, muss auf vergleichbare Werte geachtet werden.

Bei 19 % Umsatzsteuer: Netto = Brutto / 1,19

► 7. Körperschaftsteuer: vGA und verdeckte Einlage

Prüfungsschema: 1. Liegt eine vGA, eine verdeckte Einlage oder kein steuerlicher Korrekturfall vor? 2. Ist der Vorgang gesellschaftlich veranlasst? 3. Ist der Vorgang fremdüblich? 4. Welche außerbilanzielle Korrektur ist vorzunehmen?

► Verdeckte Gewinnausschüttung

Rechtsgrundlage: § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG

Eine vGA liegt vor, wenn eine Kapitalgesellschaft ihrem Gesellschafter einen Vorteil zuwendet, der durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst ist und einem fremden Dritten nicht gewährt worden wäre.

Typischer Fall: Rückwirkende Gehaltserhöhung an beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführer.

Warum vGA?

  • Gesellschafterstellung liegt vor
  • Vereinbarung ist nicht fremdüblich
  • bei beherrschenden Gesellschaftern müssen Vereinbarungen klar, eindeutig und im Voraus getroffen werden
  • rückwirkende Gehaltserhöhungen sind steuerlich kritisch

Rechtsfolge: Der Aufwand wurde handelsrechtlich gebucht, ist steuerlich aber nicht abzugsfähig.

Folge: Außerbilanzielle Hinzurechnung.

Beispiel: Rückwirkende Gehaltserhöhung 9.000 => + 9.000 außerbilanziell hinzurechnen

Verdeckte Einlage

Rechtsgrundlage: § 8 Abs. 3 Satz 3 KStG

Eine verdeckte Einlage liegt vor, wenn ein Gesellschafter der Kapitalgesellschaft außerhalb einer offenen Einlage einen einlagefähigen Vermögensvorteil zuwendet und dies durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst ist.

Wichtig: Ein bloßer Nutzungsvorteil ist keine verdeckte Einlage.

Beispiel 1: Verbilligtes Darlehen des Gesellschafters an die GmbH: Keine verdeckte Einlage, weil nur ein Nutzungsvorteil vorliegt.

Beispiel 2: Gesellschafter verzichtet auf voll werthaltige Darlehensforderung: Verdeckte Einlage.

Warum? Die GmbH muss die Verbindlichkeit nicht mehr zahlen. Dadurch entfällt ein Passivposten. Ein fremder Dritter hätte auf die Forderung nicht verzichtet.

Bewertung: Teilwert der Forderung.

Beispiel: Forderungsverzicht 200.000 => verdeckte Einlage 200.000

Steuerliche Folge: Der handelsrechtlich erfasste Ertrag aus der Ausbuchung der Verbindlichkeit ist außerbilanziell abzuziehen.

Außerdem: Zugang zum steuerlichen Einlagekonto nach § 27 KStG.

► 8. Grundstücksübertragung als verdeckte Einlage

Überträgt ein Gesellschafter ein Grundstück unentgeltlich auf eine GmbH, liegt regelmäßig eine verdeckte Einlage vor.

Warum? Die GmbH erhält einen einlagefähigen Vermögensvorteil in Form eines Aktivpostens. Ein fremder Dritter würde ein Grundstück nicht unentgeltlich übertragen.

Bewertung: Teilwert.

Beispiel: Teilwert Grundstück 250.000

Steuerliche Folge: Bei der empfangenden Kapitalgesellschaft entsteht ein Zugang. Je nach Aufgabenstellung kann dies innerbilanziell als Ertrag erfasst werden. Steuerlich ist zu prüfen, ob und in welcher Höhe eine außerbilanzielle Korrektur vorzunehmen ist.

Typischer Prüfungssatz: Die Grundstücksübertragung stellt eine verdeckte Einlage nach § 8 Abs. 3 Satz 3 KStG dar, da ein einlagefähiger Vermögensvorteil gesellschaftlich veranlasst zugewendet wird.

► 9. Ermittlung des zu versteuernden Einkommens einer GmbH

Ausgangspunkt: Handelsrechtlicher Jahresüberschuss

Dann steuerliche Korrekturen:

Hinzurechnungen:

Abzüge:

KSt: Zu versteuerndes Einkommen x 15 %

Danach: Anrechnung von Kapitalertragsteuer und Körperschaftsteuervorauszahlungen.

Wenn die Vorauszahlungen und Steuerabzüge höher sind als die festgesetzte KSt, ergibt sich eine Erstattung.

► 10. Prüfungs-Merksätze

vGA: Aufwand bei der GmbH wegen Vorteil an Gesellschafter. => außerbilanziell hinzurechnen.

Verdeckte Einlage: Vorteil durch Gesellschafter an GmbH. => Ertrag steuerlich neutralisieren, regelmäßig außerbilanziell abziehen.

§ 8b KStG: Beteiligungserträge sind grundsätzlich steuerfrei, aber 5 % gelten als nicht abziehbare Betriebsausgaben.

Leverage: Wenn Rendite des eingesetzten Kapitals größer ist als der Fremdkapitalzins, steigt die Eigenkapitalrentabilität.

Lagerkennzahlen: Umschlagshäufigkeit sagt: Wie oft? Lagerdauer sagt: Wie lange?